Wo fängt das Nichts an?

Als Misanthropähnlicher

hat man häufiger die Gelegenheit über ganz grundlegende Dinge nachzudenken, ohne durch lästige zwischenmenschliche Ablenkungen beschäftigt zu sein.

So saß ich heute beispielsweise auf dem Balkon, sah den Menschen für einen Augenblick bei ihrem Leben zu, und fragte mich wo sie denn alle so dringend und hastig hineilen – gut, einige sind auch langsam – aber wirken selten ziellos. Manche gehen Einkaufen, manche gehen zur Arbeit und andere zur Kirche oder sonst einem Tempel der Unterwerfung. Es kam mir der Gedanke welchem Glauben ich mich wohl unterwerfen könnte.

Zuerst wetterte ich, wie so oft, innerlich gegen all die Religionen die ihre Anhänger einschränken, ihnen Antworten auf so wichtige Fragen geben ohne sich der damit einhergehenden Verantwortung wirklich bewusst zu sein. Selbst die beste Überzeugung kann, so harmlos und gut sie erscheint, das wichtigste verfehlen. Entwicklung und Fortschritt sind unbedingt nötig um in unserer Welt eine gesunde Rolle spielen zu können. Und da ist es wahrhaft gefährlich an beinah urzeitlichen Vorstellungen festzuhalten.

Reine Glaubensfrage?

Das Nichts. Wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen fiel es mir ein. Das wäre etwas woran ich gerne glauben möchte. Doch was ist das Nichts für mich? Was ist es überhaupt, es ist ja eigentlich nicht einmal existent, oder doch? Letztlich werde ich es vermutlich niemals begreifen oder ergründen können – doch das ist ja auch nicht Sinn eines Glaubens.

Die Faszination dieses einfachen und viel genutzten Begriffs ist für mich unbeschreiblich. Doch selbst das Wort ist im Grunde ja schon zu viel, es hat eine Bedeutung, es versinnbildlicht das Unvorstellbare, das Unbegreifliche. Oder meint man das nur? Was wäre wenn es das Nichts tatsächlich gäbe? Irgendwo da draußen, zwischen Allem und Vielem sitzt es und vergnügt sich über mein Rätselraten.

Und dieser Gedanke gefällt mir verdammt gut! Eines schönen Tages, im hintersten Eck des Universums wird es erspäht – das Nichts!

Naja, so oder so ähnlich. Jedenfalls ist es etwas woran ich glauben will und kann.

Ist Nichts bedeutungslos?

Herrlich wie „es“ sich in neue Zusammenhänge bringen lässt. Aber die Frage bleibt – was würde es bedeutet wenn es das Nichts gäbe? Letztlich bin ich, inmitten der Zweifel und des Glaubens, überzeugt das es das Nichts geben muss! Schließlich kann ich es mir, wenn auch nur extrem abstrakt, vorstellen. Bedeutet das nicht auch, dass das Nichts bereits in mir existiert? Sicher bin ich mir nicht. Wie könnte ich auch. Zum Glück ist es ja eine Sache des Glaubens. Die Bedeutung die sich aus den verschiedenen Möglichkeiten des Nichts ergeben übersteigen teilweise meine Vorstellungskraft, weshalb ich mir auch überhaupt nicht sicher bin, ob es diese überhaupt gibt – eine Bedeutung.

Was glaubt Ihr? Glaubt Ihr überhaupt?

Ich will ganz offen sein, ich verurteile nahezu alle Religionen. Sie sind menschengemacht und, teilweise bewiesener Maßen, ganz einfach eine dreiste Lüge. Allerdings verurteile ich nicht die Menschen im einzelnen – wie immer – vielmehr das Kollektiv und die Idee an sich. Weshalb ich wenigstens Dich, geneigter Leser, um Vergebung bitte mir meine Überzeugung nachzusehen. Und dennoch interessiert mich brennend woran Ihr glaubt. Die Klassiker Christentum & Islam? Oder doch das riesige Spaghettimonster?

Versteht mich nicht falsch, ich diskutiere unheimlich gern. Und was ist spannender als mit jenen zu sprechen die die Dinge ganz anders sehen als man selbst. Auch wenn ich nicht an einen Gott oder etwas derartiges glaube, würde ich es niemals wagen meine Sichtweise als einzig wahr zu titulieren – auch wenn das möglicherweise hin und wieder so wirkt. Ich kann letztlich nur meine Vorstellung darlegen und erklären, so überzeugend sie auch sein möge – es ist eben nur meine Wahrheit.

So wie wir alle unsere eigene haben.

 

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5 Kommentare auf "Wo fängt das Nichts an?"

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Ulf Runge
Gast

Nun, für mich datiert die Entdeckung des „Nichts“ auf den 04.06.13.
Ich denke mir jetzt einfach nichts und poste hier mal den Link auf die Mitteilung meiner Entdeckung an die Weltöffentlichkeit.
Ich gestehe jeder und jedem zu, das Nichts selber zu entdecken.
Nichtsliche Grüße aus dem Nichts,
Ulf

Ulf Runge
Gast

Lach. Und prompt ist der Link im Nichts gelandet.
Hier ist er: https://ulfrunge.wordpress.com/2013/06/04/nichts-gedacht/

Tanjas Bunte Welt
Gast

Oh eine schon fast philosophische Frage mit hoher Bedeutung und doch irgendwie nichtssagend. Ich glaube nicht an Nichts oder an eine bekannte Religion. Genausowenig glaube ich, dass das Spaghettimonster uns erschaffen hat oder über uns wacht. Ich glaube einfach nicht. Nicht Nichts oder sonst etwas, sondern der Glaube an sich ist bei mir schon nicht vorhanden. Das viele Menschen einen Glauben als Stärkung brauchen, oder auch einfach um jemanden die Schuld zustecken zu können, macht mir nichts aus. Leben und Leben lassen! Oder besser gesagt – geht mich nichts an gg
Liebe Grüße

Nicole
Gast
Ich habe deine Beitrag mit Vergnügen gelesen. Zeitweise war es als könnte ich das Nichts greifen… dann war es doch weg. Grundsätzlich zähle ich mich zu den spirituellen Mensch, was auch immer das heißen mag. Religionen an sich sind mir fremd auch wenn ich durchaus irgendwie religiös aufgewachsen bin. Vielleicht habe ich mich mit der Zeit auch nur von den Institutionen entfremdet?! Der Glaube an sich, der Glaube an das Gute und die Liebe, an ein Miteinander… finde ich erstrebenswert. Die Zwänge, Machtkämpfe und Hierarchien, die der Mensch drum herum erschaffen hat, haben mit dem eigentlichen Glauben (welcher auch immer… Read more »
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